Und dann. Immer wieder. Ist es Zeit für Neues.

Jahrelang hatte ich Spaß am Fotografieren. Jetzt habe ich erkannt:  auch schreiben liegt mir.
Deshalb sind meine Vorsätze für 2017: öfter in den frühen Morgenstunden fotografieren gehen und mehr schreiben. Jetzt fang ich erst mal mit den Wörtern an.....

Ich schreibe über das, was mich beschäftigt und was mir begegnet. Durch das Aufschreiben sortiere ich mich. Durch das Aufschreiben behalte ich in Erinnerung, was war und was im empfunden habe.
Als leidenschaftliche Kinogängerin dokumentiere ich die Filme , die ich gesehen habe. Nicht mehr nur Kinotickets an meiner Küchenwand, auch die Inhalte zählen ab jetzt.

Ich bin auf mich gespannt: finde ich regelmäßig Themen und sind es dann auch Texte, die ich auch öffentlich machen möchte? Und natürlich, das Wichtigste: interessiert denn jemanden, was ich schreibe und wie ich es schreibe?

 

Was soll's, ich mach's. Viel Freude beim Lesen, wünsche ich.

0 Kommentare

Kinofilm: "Mein Blind Date mit dem Leben"

 

Wieder so eine seichte Komödie, dachte ich. Aber manchmal ist so eine leichte Berieselung ja genau das richtige. Was mich mit diesem Film tatsächlich erwartete, darauf war ich nicht gefasst.

 

Kostja Ullmann spielt Saliya Kahawatte, der kurz vor dem Abi durch eine Augenkrankheit 95% seines Sehvermögens verliert. Trotzdem schafft er sein Abi an der gleichen Schule, indem er nicht mitschreibt sondern sich alles merkt. Der Lehrer - erst skeptisch - erkennnt, der kann das. Saliya's Kindheitstraum war das Hotelfach. Durch die zahlreichen Absagen lässt er sich nicht unterkriegen sondern bewirbt sich sogar in einem Münchner Luxushotel. Er verschweigt das „kleine“ Detail seiner Sehbehinderung und wird dort zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Zusammen mit seiner Schwester prägt er sich vorher die Gegebenheiten ein („die Drehtüre, dann 20 Schritte links und auf 12 Uhr ist die Sitzgruppe“) und wird eingestellt. Die Ausbildung beginnt - mit bewundernswertem Willen, beeindruckender Tatkraft und durch Unterstützung neuer Freunde im Hotel schafft er es durch die verschiedenen Abteilungen. Und er fällt nicht mal vielen als eingeschränkte Person auf.

Fast wie im Film schreibt diese wahre Geschichte auch eine Lovestory. Er verliebt sich in eine Stimme und weiß, das ist die Frau seines Lebens. Auch hier kann er anfangs gut über seine Behinderung hinweg täuschen. Ein ihm bekanntes Restaurant ausgesucht, die Speisekarte vorher auswendig gelernt, da fällt nix auf. Die Frau seines Herzens reagiert etwas irritiert, als 3 knappest bekleidete Schnitten an ihm vorbei laufen und er nicht mal einen versteckten Seitenblick riskiert. Sie freut sich darüber.

 

Für mich als Zuschauer ging es an die Substanz, als er auf ihren kleinen Sohn aufpassen soll. Das war der Moment als ich dachte, ich muss das Kino verlassen, ich ertrage es nicht. Oder die Hochzeitsgesellschaft, die er unter dem Einfluss von Aufputschmitteln bedienen will, weil er Job und Nebenjob anders nicht mehr schaffen kann. Fast körperlich leide ich mit ihm.

Der Film nimmt mich besonders mit, weil mich seit meiner Kindheit ebenfalls Brille und Kontaktlinsen begleiten. Ich dachte immer, ich sehe schlecht – Selbstmitleid lässt grüßen – heute Abend fühle ich mich als Adlerauge. Das Schlimmste für mich wäre, wenn mir jemand meine Sehhilfen wegnehmen würde. Und so lebt Saliya jeden Tag.

 

Durch einen Unfall bekommt sein gehetztes, ungesundes und unglückliches Leben einen Reset. Er erkennt, dass er zu seiner Einschränkung stehen muss und bekommt eine zweite Chance. Tatsächlich besteht er die Ausbildung und baut mit seinem Freund zusammen sogar ein eigenes Restaurant auf.

 

Ich bewundere die Willensstärke von Saliya, das Durchhaltevermögen und die Zielstrebigkeit. Genau zu wissen, was er will und dann auch alles dafür zu tun, um dieses Ziel auch zu erreichen nötigt mir allen Respekt ab. Ich selbst bin mehr ein Schmetterling, der an jeder Blüte Halt macht und denkt „ach, die nächste ist bestimmt auch schön, vielleicht will ich doch lieber zu einer roten Blume“.
Ich hatte in meinem Leben noch nie dieses eine Ziel, wofür ich wirklich alles aufgebe oder alles dafür tun würde, um es zu erreichen.

 

Erkenntnis des Tages: kein Ziel zu haben lässt einen nur von Blüte zu Blüte flattern.

 

0 Kommentare

Genug gestalkt. Jetzt mach ich's selbst.

Seit längerem träume ich von einem kreativen und erfolgreichen Leben als Fotografin, Bloggerin, Reisende oder - am besten alles in einem - als "digitale Nomadin" wie es heute so schön heißt. Seit Jahren schaue ich mir an, was andere so machen. Andere, die erfolgreich fotografieren, bloggen, reisen. Mit den modernen Möglichkeiten bin ich bei meinen Vorbildern immer und überall dabei: ich habe newsletter abonniert, folge den Leuten auf Instagram und ich stalke jeden, der mich in Sachen business interessiert, auf Facebook. Mit der Aufnahme dieser Informationen verbringe ich an manchen Tagen ganz schön viel Zeit. Bei machen denke ich mir "boah, genau so würde ich es auch machen", bei anderen dagegen bin ich skeptisch "boah echt, und du lebst davon? Da sind meine Fotos aber besser". Über Silvester habe ich vier Tage lang gefastet. Internet gefastet. Und dieser kurze, kleine Zeitraum hat mein Weltbild auf den Kopf gestellt. Denn: Ich. Habe. Nichts. Verpasst.
Ich habe über mich nachgedacht und nicht über die anderen. Ich habe mir überlegt, was will ich machen und nicht, machen die anderen ihr Ding gut. Seitdem habe ich newsletter abbestellt, die Tageszeitung gekündigt und den Fernseher lahm gelegt. Ich konzentriere mich. Auf mich. Egal, was die anderen machen, ich mach jetzt erst mal, was ich will. Und wie ich es will.
Wobei die entscheidende Betonung in diesem Fall auf "machen" liegt. Synonyme für machen sind auch >tätig sein< (bisher war ich faul), >realisieren< (ich hab nicht mal visualisiert), >tun< (ich dagegen liebe nixtun), >ausüben< (ich dachte immer, ich muß erst üben), >schaffen< (ich will etwas bewegen), >wirken< (ich will durch meine Werke wirken), >leisten< (war bisher eher mit Arbeit verbunden).
Egal, welches Wort ich verwende. Das Entscheidende - was mir bisher gefehlt hat - ist: in Aktion kommen. Deswegen bewerte ich jetzt nicht mehr die anderen, sondern fange einfach an. Und schlimmstenfalls zeige ich keine Fotos und veröffentliche keine Texte mehr und schweige still. Aber ich habe es dann wenigstens probiert.

Erkenntnis des Tages (frei nach Florence Foster Jenkins): 
möglicherweise sagen die Leute, ich bin nicht kreativ. Aber es kann keiner sagen, ich hätte es nicht probiert. 

 

0 Kommentare

Kinofilm: "Toni Erdmann"

 Dieser Film ist in aller Munde. Ein herausragender deutscher Film heißt es.

 

Ich muss gestehen, ich bin schon skeptisch ins Kino. Das Resümee einer mir nahestehenden Person lautete „ich hab den Film nicht verstanden, für was wurde der bloß ausgezeichnet?“.

Und dann: eine Handlung, die mich sofort mit reinzieht, mutige Schauspieler und ungewöhnliche Aktionen ergeben für mich einen Film, über den ich noch lange nachdenken werde. Es ist nicht so, dass ich aus dem Kino komme und denke „hübsch“ und zur Tagesordnung übergehe. Der Film geht unter die Haut, hinterfragt selbst mein Leben und lässt mich grüblerisch zurück.

 

Der Film dreht sich um eine Vater-Tochter-Beziehung. Die Tochter macht Karriere, arbeitet im Ausland und kommt nur sporadisch heim, auch hier immer beschäftigt und gestresst. Der Vater ist daheim ein Außenseiter, man spürt die Entfremdung zwischen den beiden. Überraschend besucht er seine Tochter im Ausland und stellt ihr Leben auf den Kopf. Im ersten Anlauf merken beide, wie unterschiedlich die Lebensentwürfe sind, sie können sich nicht aufeinander einlassen. Der Vater plant abzureisen, die Minuten bis der Aufzug kommt sind quälend für die beiden und für den Zuschauer.

Aber dann ist er doch nicht heim geflogen, sondern bleibt als Toni Erdmann im Leben seiner Tochter präsent. Mit fürchterlichen Zähnen und schlechter Perücke macht er, was er will und was sie nicht will. Er drängt sich in ihr Leben und sie lässt es zu. Als neutrale Person bekommt er Einblick in ihr Karriereleben. Dadurch, dass er ihr Dasein in Frage stellt, macht sie es auch. Beide verlassen die Komfortzone und nähern sich durch absurde Situationen einander an.

 

 Mir als Zuschauer wird klar, dass die Tochter kein glückliches Leben führt. Aber es ist doch das Leben, dass sie immer wollte und sie tut nur das, was zum Job gehört und was von ihr erwartet wird. Und: ich als Zuschauer überlege mir, ob mein Leben eigentlich glücklich ist oder ob ich vergesse zu leben weil ich ständig die Erwartungen anderer erfülle? Tue ich das, was ich möchte oder was ich muss? Mache ich ab und zu etwas unvorhergesehenes?

Erkenntnis des Tages: Funktionieren wir nur oder rütteln wir andere wach?

0 Kommentare