Kinofilm: "Toni Erdmann"

Dieser Name ist in aller Munde. Ein herausragender deutscher Film heißt es.

Ich muss gestehen, ich bin schon skeptisch ins Kino. Das Resümee einer mir nahestehenden Person lautete „ich hab den Film nicht verstanden, für was wurde der bloß ausgezeichnet?“.

 

Und dann: eine Handlung, die mich sofort mit reinzieht, mutige Schauspieler und ungewöhnliche Aktionen ergeben für mich einen Film, über den ich noch lange nachdenken werde. Es ist nicht so, dass ich aus dem Kino komme und denke „hübsch“ und zur Tagesordnung übergehe. Der Film geht unter die Haut, hinterfragt selbst mein Leben und lässt mich grüblerisch zurück.

Der Film dreht sich um eine Vater-Tochter-Beziehung. Die Tochter macht Karriere, arbeitet im Ausland und kommt nur sporadisch heim, auch hier immer beschäftigt und gestresst. Der Vater ist daheim ein Außenseiter, man spürt die Entfremdung zwischen den beiden. Überraschend besucht er seine Tochter im Ausland und stellt ihr Leben auf den Kopf. Im ersten Anlauf merken beide, wie unterschiedlich die Lebensentwürfe sind, sie können sich nicht aufeinander einlassen. Der Vater plant abzureisen, die Minuten bis der Aufzug kommt sind quälend für die beiden und für den Zuschauer.

 

Aber dann ist er doch nicht heim geflogen, sondern bleibt als Toni Erdmann im Leben seiner Tochter präsent. Mit fürchterlichen Zähnen und schlechter Perücke macht er, was er will und was sie nicht will. Er drängt sich in ihr Leben und sie lässt es zu. Als neutrale Person bekommt er Einblick in ihr Karriereleben. Dadurch, dass er ihr Dasein in Frage stellt, macht sie es auch. Beide verlassen die Komfortzone und nähern sich durch absurde Situationen einander an.

 

Mir als Zuschauer wird klar, dass die Tochter kein glückliches Leben führt. Aber es ist doch das Leben, dass sie immer wollte und sie tut nur das, was zum Job gehört und was von ihr erwartet wird. Und: ich als Zuschauer überlege mir, ob mein Leben eigentlich glücklich ist oder ob ich vergesse zu leben weil ich ständig die Erwartungen anderer erfülle? Tue ich das, was ich möchte oder was ich muss? Mache ich ab und zu etwas unvorhergesehenes?

 

Erkenntnis des Films: Funktionieren wir nur oder rütteln wir andere wach?



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