Kinofilm: "Mein Blind Date mit dem Leben"

Wieder so eine seichte Komödie, dachte ich. Aber manchmal ist so eine leichte Berieselung ja genau das richtige. Was mich mit diesem Film tatsächlich erwartete, darauf war ich nicht gefasst.

Kostja Ullmann spielt Saliya Kahawatte, der kurz vor dem Abi durch eine Augenkrankheit 95% seines Sehvermögens verliert. Trotzdem schafft er sein Abi an der gleichen Schule, indem er nicht mitschreibt sondern sich alles merkt. Der Lehrer - erst skeptisch - erkennnt, der kann das. Saliya's Kindheitstraum war das Hotelfach. Durch die zahlreichen Absagen lässt er sich nicht unterkriegen sondern bewirbt sich sogar in einem Münchner Luxushotel.

 

Er verschweigt das „kleine“ Detail seiner Sehbehinderung und wird dort zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Zusammen mit seiner Schwester prägt er sich vorher die Gegebenheiten ein („die Drehtüre, dann 20 Schritte links und auf 12 Uhr ist die Sitzgruppe“) und wird eingestellt. Die Ausbildung beginnt - mit bewundernswertem Willen, beeindruckender Tatkraft und durch Unterstützung neuer Freunde im Hotel schafft er es durch die verschiedenen Abteilungen. Und er fällt nicht mal vielen als eingeschränkte Person auf.

 

Fast wie im Film schreibt diese wahre Geschichte auch eine Lovestory. Er verliebt sich in eine Stimme und weiß, das ist die Frau seines Lebens. Auch hier kann er anfangs gut über seine Behinderung hinweg täuschen. Ein ihm bekanntes Restaurant ausgesucht, die Speisekarte vorher auswendig gelernt, da fällt nix auf. Die Frau seines Herzens reagiert etwas irritiert, als 3 knappest bekleidete Schnitten an ihm vorbei laufen und er nicht mal einen versteckten Seitenblick riskiert. Sie freut sich darüber.

 

Für mich als Zuschauer ging es an die Substanz, als er auf ihren kleinen Sohn aufpassen soll. Das war der Moment als ich dachte, ich muss das Kino verlassen, ich ertrage es nicht. Oder die Hochzeitsgesellschaft, die er unter dem Einfluss von Aufputschmitteln bedienen will, weil er Job und Nebenjob anders nicht mehr schaffen kann. Fast körperlich leide ich mit ihm.

 

Der Film nimmt mich besonders mit, weil mich seit meiner Kindheit ebenfalls Brille und Kontaktlinsen begleiten. Ich dachte immer, ich sehe schlecht – Selbstmitleid lässt grüßen – heute Abend fühle ich mich als Adlerauge. Das Schlimmste für mich wäre, wenn mir jemand meine Sehhilfen wegnehmen würde. Und so lebt Saliya jeden Tag.

 

Durch einen Unfall bekommt sein gehetztes, ungesundes und unglückliches Leben einen Reset. Er erkennt, dass er zu seiner Einschränkung stehen muss und bekommt eine zweite Chance. Tatsächlich besteht er die Ausbildung und baut mit seinem Freund zusammen sogar ein eigenes Restaurant auf.

 

Ich bewundere die Willensstärke von Saliya, das Durchhaltevermögen und die Zielstrebigkeit. Genau zu wissen, was er will und dann auch alles dafür zu tun, um dieses Ziel auch zu erreichen nötigt mir allen Respekt ab. Ich selbst bin mehr ein Schmetterling, der an jeder Blüte Halt macht und denkt „ach, die nächste ist bestimmt auch schön, vielleicht will ich doch lieber zu einer roten Blume“.

 

Ich hatte in meinem Leben noch nie dieses eine Ziel, wofür ich wirklich alles aufgebe oder alles dafür tun würde, um es zu erreichen. Was will ich eigentlich und was ist MIR wichtig?

 

Erkenntnis des Films: kein Ziel zu haben lässt einen nur von Blüte zu Blüte flattern.



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