Kinofilm: "Happy Burnout""

Eine schräge Idee und Handlung von Anfang an: ein Dauer-Hartz-4ler muss wegen Burn-Out auf Kur, um weiterhin die Leistungen beziehen zu können.

Zu Beginn des Films bekommt man einen ausgiebigen Einblick in das Leben von "Fussel", einem gealterter Punk ohne Job.

Mit seiner charmanten Art kommt er bei seiner Nachbarin, bei den Menschen auf seiner Straße und vor allem bei seiner Sachbearbeiterin im Arbeitsamt prima durch. Fussel erzählt jedem genau die Geschichte, die der andere hören will und schlängelt sich so durch sein Leben.


Als im Arbeitsamt durch eine interne Prüfung sein gesichertes Einkommen in Gefahr ist, muss seine Sachbearbeiterin schon alleine deswegen handeln, um ihre eigene Stelle zu sichern.

 

 

Aufgrund ihres "persönlichen Engagements" bekommt Fussel einen Therapie-Platz und rückt mit zwei Plastiktüten sofort in der Klinik an. Über seine Krankheitsdiagnose Burn-Out muss er sich erst mal mit der passenden Lektüre informieren. 

In Gruppen-Therapiesitzungen lernt er seine Mitpatienten kennen. Durch seine Aktionen, z.B. ein gemeinsames Fußballspiel, durchbricht er schon bald die gewohnte Ordnung in der Klinik. Von der Klinikchefin und der zuständigen Therapeutin (Anke Engelke)) kritisch beäugt, von den Mitpatienten akzeptiert lebt er sich anscheinend ganz gut ein. Durch seine naive, sorglose Art holt er seine Patientenkollegen aus der Reserve und bewirkt einiges - bei den anderen, aber auch bei sich selbst.

 

Seine Sachbearbeiterin vom Arbeitsamt hat inzwischen erfahren, dass seine Geschichten (...er kümmert sich um dieses nette, kleine Flüchtlingskind...) nur erfunden sind, sofort will sie sämtliche Leistungen streichen. In einer Abmachung mit der Klinikchefin darf er bleiben, wenn er sich um seine Mitpatienten kümmert und durch seine Art zu ihrer Heilung beiträgt.

 

Die Darsteller des Films sind perfekt ausgewählt, dennoch kippt mir der Film zu sehr in seichten Humor ab. Es war klar, wenn die drei Patienten aus der Klinik ausreissen und etwas trinke gehen, dass es zu einer Prügelei kommt. Es wird stark mit Klischees gespielt, die Figuren sind mit ihren Krankheitsgeschichten ganz schön überzeichnet.

 

Als bei Fussel dann auch noch eine Tochter aus dem Hut gezaubert wird, die eigentlich bei der bösen (Schwieger-)Mutter seiner verstorbenen Ex-Frau lebt und als Fussel durch Unterstützung seiner (merkwürdigen?) Freunde in Nullkommanix seine Tochter zum Zelten abholen darf ist es mir ein bisschen zu Rosamunde-Pilcher-mässig. Auch die Schlusseinstellung - Fussel küsst seine Therapeutin Anke Engelke - ist mir zu happy endig. Aber so geht der geneigte Zuschauer doch mit diesem gewissen guten Grundgefühl nach Hause: so schlimm ist es in einer geschlossenen Klinik nicht, alle Probleme lassen sich mit Freundschaft und Liebe bewältigen und: Es. wird. alles. gut.

Erkenntnis des Films: Freundschaft und Liebe übersteht alles (sagen die im Film).



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