Kinofilm: "Kundschafter des Friedens"

Wenn es einen neuen Film mit Henry Hübchen gibt, ist für mich klar: den muß ich sehen.

Die Filmidee ist vielleicht nicht neu - alternde Experten werden für eine bestimmte Mission zurückgeholt - und erinnert gepflegt an "Space Cowboys", aber alleine die Riege der Hauptdarsteller dieses Films zeigen: diese Mission muß geguckt werden.

 

Henry Hübchen verkörpert den ehemaligen DDR-Spion Jochen Falk, der auf den ersten Blick im heutigen Berlin ganz schön heruntergekommen lebt. Wie sich schnell herausstellt ist er aber noch ganz schön auf Zack, als ihn der BND nur mal zu einem Gespräch bittet. .

Schnell ist klar: er wird gebraucht. Und er will nicht nur die Infos preisgeben, sondern bei der Geheimoperation auch tatsächlich mitspielen: den entführten Präsidenten einer ehemaligen sowjetischen Republik aufspüren, der zusammen mit einem BND-Agenten spurlos verschwunden ist. Gerade dieser BND-Agent ist der Erzfeind von Jochen Falk, dieser hat ihn damals enttarnt und sein Leben ruiniert. Endlich kann Jochen sich rächen, denkt er.

 

In der prekären Lage, in der sich der BND befindet, lassen sich die "Wessies" tasächlich darauf ein. Einzige Bedingung: die junge Paula geht als Aufpasserin mit auf die Reise. Einzige Bedingung von Jochen Falk: seine ehemaligen Kumpels von früher gehen auch mit.

Und so macht er sich auf die Suche nach Jackie, dem Technikfreak von damals (klasse mit genialer Brille: Michael Gwiskek); Locke, dem Logistiker (stylisch mit weißen Turnschuhen: Thomas Thieme) und Harry, ehemaliger Amor-Agent (oder so - Winfried Glatzeder als irrwitziger Gigolo). Die Meute von damals rauft sich zusammen und fliegt mit Paula zum Einsatz.

 

Äußerst amüsant finde ich das Zusammentreffen von Paula's digitaler Welt (bis der Laptop aus dem Wagenfenster fliegt) und der analogen Welt der ehemaligen Kundeschafter des Friedens (Wikipedia sagt: Als Kundschafter des Friedens - auch Kundschafter für den Frieden -, in der Kurzform Kundschafter, wurden in der Terminologie der DDR die im Ausland bzw. im Inland gegen Ausländer und ausländische Einrichtungen eingesetzten Agenten der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) oder die der Militärischen Aufklärung der Nationalen Volksarmee (NVA) bezeichnet.). Genial auch die Zusammenarbeit der früheren Experten: das Vorlesen von Wasserpegeln auf Kurzwelle enthält Koordinaten oder das Stichwort "Berlin, 1972" und jeder weiß, was als nächstes zu tun ist. 

Die Durchführung der Mission ist schnell klar, leider kommt das Leben dazwischen: bei Harry ist nicht mehr so viel Amore wie früher und auch Jackie tut sich hart, einen Stromausfall zu fingieren, "weil die Chinesen ständig die Farbe ihrer Stromkabel ändern".

 

Als der entführte BND-Spion Frank Kern (so tough wie früher am "Boot": Jürgen Prochnow) zu den Kundschaftern stösst - eher unfreiwillig, aber es hat sich so ergeben - wird Jochen Falk mit seiner Vergangenheit konfrontiert und muß sich mit dem Scheitern seiner damaligen Karriere und seiner damaligen Beziehung auseinandersetzen. Natürlich kommen auch Gefühle ins Spiel, jedoch mehr auf der Vater-Tochter-Ebene.

Ein letzter spannender Showdown findet dann schon in Deutschland statt. Und am Ende ist alles - na, wie wohl - happy. Aber etwas anderes hätten wir von Kundschaftern des Friedens ja auch wirklich nicht erwartet.


 

Erkenntnis des Films: Kundschafter des Friedens könnte heutzutage ein schöner Beruf sein, braucht aber wohl viel Erfahrung



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