Auf dem Altmühltal-Panoramaweg eine Wanderung wie das Leben: auf und ab  


Tagesetappe: Treuchtlingen - Solnhofen

Unsere erste Etappe geht von Treuchtlingen nach Solnhofen und wir sind aufgeregt.

Gleich am Anfang geht es ganz schön bergauf – ja, klar ein Panoramaweg braucht ja auch Aussichtsmöglichkeiten, aber ich dachte wir werden da sanfter herangeführt. Relativ früh stellt sich heraus, das bergauf geschwiegen wird. Atmen reicht.

Die Wege im Wald sind schön schattig, im Wald riecht es so gut. Ganz schön steil teilweise, hinauf und hinab über freie Felder erreichen wir Dietfurt. Und hier geht es über Holztreppen nochmal richtig hoch hinaus. 

Zwischen Dietfurt und Pappenheim machen wir unsere erste Rast, bevor es nach Pappenheim nochmal echt steil bergauf geht, das Kneippbecken dort lässt uns gleich wieder Halt machen. Am Freibad entlang (knapp an der Weidenkirche vorbei) führt uns der Weg neben dem Klettergarten entlang wieder noch oben.

In Solnhofen angekommen finden wir glücklicherweise ein Café mit lauschigem Plätzchen an der Altmühl, wir nehmen unseren Siegerkaffee in Strümpfen. Die Schuhe liegen ein bisschen entfernt und erholen sich auch. Insgesamt geht es mir nicht schlimm, eigentlich hätte ich einen tieferen Erschöpfungszustand bis hin zum Zusammenbruch erwartet.

 

Tagesetappe: Solnhofen - Dollnstein

Oberhalb der berühmten "12 Apostel" laufen wir los, es geht über Trockenwiesen und heideartiges Gebiet. In Nullkommanix sind wir in Esslingen und haben uns stillschweigend dazu entschieden, den regulären Wegeverlauf zu schwänzen und stattdessen entlang des Radweges zu laufen. Zu hohe Berge sind nix für uns, man muss auch seine Grenzen kennen.

Der Weg nach Altendorf zieht sich aber ganz schön, es ist ein Schotterweg in der Sonne. Und das eisgekühlte Kaltgetränk, von dem ich träume, gibt es nicht in Altendorf. Dafür eine hübsche Wallfahrtskirche, an deren Eingangspforte wir vespern. Die Kirche hat bestimmt ein Herz für hungrige, müde Pilger.

Weiter gehts, wir haben uns neu orientiert und sortiert. Es geht bergauf über schöne Wiesenwege und zwischenzeitlich auch endlich mal mit Panorama. Die Holzliegen mit Blick auf die Hackerbergmühle (oder so) waren traumhaft.

Von Hackenberg nach Dollnstein schlängelt es sich dann aber nochmal unverschämt nach oben, aber der visualisierte Erdbeerkuchen lässt uns laufen. Am Ziel gibt es einen Eiskaffee und einen leckeren Erdbeereisbecher. Vielleicht etwas übertrieben, aber das haben wir uns schließlich verdient.

 

Tagesetappe: Dollstein – Eichstätt

Erst laufen wir mal an der Abbiegung vorbei, aber wir reißen uns nochmal zusammen und biegen doch richtig ab.

Bevor wir dann die Anleitung völlig missverstehen und einen Steilhang hochkrabbeln. Es sieht aus wie ein Wiesenweg, aber es ist so merkwürdig steil, diese Wegesetappe ist wohl für Fortgeschrittene. Fast zieht es mich nach hinten runter – gut, dass ich nur einen leichten Rucksack trage. Ich bin auf allen Vieren. Und dann? Gibt es keine Markierung. Runter kommen wir nicht mehr (außer Kugeln), wir arbeiten uns quer am Hang entlang.

Die heutige Tour hat auch ohne unser falsches Engagement ganz schön heftige Anstiege und dann später in Eichstätt auch abartige Abstiege. Mir tun die Knie weh. In Eichstätt mit Blick auf die Willibaldsburg müssen wir eine irre Steigung bewältigen. Dieser Anstieg auf Kies ist das bisher schlimmste an diesem Tag. Oben beim Funkmast müssen wir uns erst mal auf die Bank setzen. Der Blick über Eichstätt ist hier genial – jetzt, wo ich wieder atmen kann.

Anschließend schlängelt sich der Weg sanft in den Wald. In angenehmen Auf- und Abbewegungen und fast meditativ führt uns der Weg in unser Übernachtungsquartier, das Kloster. Das Zimmer ist einfach, aber stil- und geschmackvoll. Genau so stelle ich mir ein Klosterzimmer vor. Und das in modern.

 

Tagesetappe: Eichstätt – Gungolding

Unser Zimmer bei den Nonnen war einfach aber schön und mein nächstes Haben-Will sind weiße Leinenvorhänge. Unschuldiges Weiß.

Eichstätt verabschiedet sich mit einem höllenmäßigen Aufstieg, also warm-up haben wir definitiv.

Oben laufen wir ordnungsgemäß den Schilden nach, aber leider kommen wir nicht am versprochenen Figurenfeld vorbei. Wo liegt der Fehler? Das wäre ja wohl absolut ein Highlight gewesen. Stimmt unsere Anleitung nicht oder die Beschilderung vor Ort?

Der Tag heute ist leichter als gestern, aber krasse Anstiege gibt es auch.

In Gungolding kehren wir im Gasthaus ein, wo ich mit meinen Eltern schon mal war. Der Wirt hilft mir bei meinen Sorgen und klebt meinen Problemschuh mit "3-Komponenten-Kleber". Dann kann ja nichts mehr schiefgehen, würde ich sagen.

Den Abend lassen wir ausklingen im schattigen Biergarten, ein bisschen lesen, ein bisschen gucken mit dem Bewusstsein heute fleißig gewesen zu sein. So lässt es sich leben.

 

Tagesetappe: Gungolding – Kinding

Heute fällt uns der Aufbruch schwer und wir kommen nur langsam in die Gänge. Erst mal los in Richtung Kirche oberhalb des Ortes. Und. Dann. Geht. Es. Bergauf.

Die erste Teilziel Arnsberg haben wir schnell erreicht. Es geht durch den Ort und auf der anderen Seite wieder hoch. Vor lauter Schnattern über einen Film verpassen wir die Abzweigung und verlaufen uns. Und finden dann zwar den Weg, aber stehen vor einem Gatter mit Elektrozaun und wissen nicht, ob es dahinter weitergeht. Aber wo sonst? Todesmutig öffnet meine Wanderbegleitung das Tor und checkt den Weg. Es ist der richtige. Und es ist der denkwürdige, dramatische Zeitpunkt, wo die Sohle meines Wanderschuhs endgültig den Geist aufgibt. Immerhin ein guter Platz für einen Schuhwechsel, es gibt eine Bank. Jetzt ist es vorbei mit dem Schuh.

Wir laufen Richtung Bömering, ein komisches Dorf, wo man überhaupt keine Menschen sieht. Einmal über die Altmühl und dann wieder in den Wald bergauf.

Es geht nach Kipfenberg, am Limes entlang und am nachgebauten Wachturm. Nein wir waren nicht oben. Auch unten ist genug zu tun.

In Kipfenberg machen wir erst mal Pause, hier ist fast die Hälfte geschafft. Schnell noch die weitere Route nachgelesen und so beschließen wir, den Radweg entlang zu laufen. Auf dem Panoramaweg steht nur Wald auf dem Programm, das gefällt uns nicht. Der Radweg zwischen Kipfenberg und Kinding zieht sich aber ganz schön, es gibt nochmal ein Päuschen im Schatten der Kirche und einen letzten Motivations-Traubenzucker. Und dann. Kinding. Geschafft.

 

Tagesetappe: Kinding – Beilngries

Erst noch ein bisschen anfängermässig geht es vom Marktplatz zur Altmühl, aber dann wird es recht schnell für Fortgeschrittene: einen steilen Berg hinauf, enge Waldwege und schmale Pfade. Schnell werden 2 von 2 Jacken zu warm, aber das ist ja gut so.

Die Bank, die wir mit Panorama bestellen, wird geliefert und die beiden Radler machen sich schnell vom Acker.

Der Weg führt dann in steilen und engen Kurven durch das beeindruckende (natürliche!) Felsentor von Unteremmendorf. Unten geht es am Campingplatz Kratzmühle vorbei (mit beheizten Toiletten!!) über die Straße nach Pfraundorf und wieder aufsteigend in den Wald.

Wir entscheiden uns dafür, die steile Hirschberg-Variante zu nehmen und nicht auf der anderen Straßenseite am Radweg zu laufen. Wegen der Aussicht. Der Aufstieg ist echt lang. Es zieht sich. Aber dann gibt es oberhalb genau die richtige Pausenbank für uns, mit Blick über Beilngries. Nach der Rast laufen wir ein paar Schritte und werden am Schloss Hirschberg von einer Blaskapelle empfangen. Na, das wäre doch nicht nötig gewesen.

Nach dem Schloss kürzen wir ein bisschen ab und gehen nicht zum Stauwerk und über den Yachthafen, sondern direkt nach Beilngries. Schnell finden wir die perfekte Location für unseren Belohnungs-Happy-erste-Etappe Rhabarberkuchen. Natürlich mit Sahne. Was die neue Entfernungs-Messung "wie viele Kuchen wandert ihr" ins Leben gerufen hat. Wir wandern in diesem Jahr 4 Kuchen lang.

 

Tagesetappe: Beilngries – Deising

Beim Frühstück beäugen wir kritisch das Wetter, aber es ist trocken

In Beilngries tun wir uns hart, den Einstieg in den Wanderweg zu finden. Aber nur, weil das Schild so blass ist. Erst mal geht es steil hoch (das machen die nur zum Aufwärmen), hier müssen wir gleich mal auf die Seite hüpfen, weil uns Mountainbiker überholen. Ist das die Möglichkeit. Das muss noch schlimmer sein als hochzulaufen.

Der Tag oder Weg zieht sich heute mehr als am ersten Tag. Die gleiche Strecke kommt mir schwerer oder länger vor. Interessanterweise sehen wir an einem absolut abgelegenen Bauernhof einen Rasenmäher-Roboter, was uns sehr amüsiert.

Es geht weiter nach Töging, wo wir am Ortseingang unsere Mittagspause machen. Ab hier regnet es. Zwar nur Nieselregen, aber das durchaus engagiert.

Von Töging nach Griesstetten lassen wir Dietfurt schmählich links liegen (= 5km gespart) und dann geht es über Einsiedel nach Deising. In Einsiedel sitzen Menschen wie im Freilichtmuseum auf ihren Gartenstühlen und schauen uns an. Wir wissen nicht genau: Statisten oder Schauspieler?

Das letzte Stück nach Deising ist zwar hübsch am Kanal entlang (die Altmühl haben wir verloren, es ist uns leider nicht mal aufgefallen), aber es zieht sich. Man sieht keine Häuser und wir sind kurzzeitig geschafft, depressiv und unter-Tortet.

Endlich sehen wir einen Fußballplatz und wo Tore sind, müssen auch Menschen wohnen. Unser Gasthaus ist mitten im Ort und es gibt Torte. Schnell ist das Leben wieder in Ordnung. 

 

Tagesetappe: Deising - Riedenburg

Als wir aufwachen scheint die Sonne ins Zimmer. Was für eine Erleichterung.

Vom Gasthaus schwänzen wir erst mal die Schleife um den Roßkopf und machen uns gleich auf in Richtung Schloss Obereggersberg. Unter den missbilligenden Augen des Wirtes, der uns die vermeintlich richtige Richtung weisen wollte. Das Schloss ist ein Schmuckstück mit hübschem Innenhof und traumhafter Terrasse. Weiter geht es nach Gundlfing, wo wir in der Sonne Mittagspause machen.

Danach fängt das Leid an: sehr steil bergauf und ewig lang. Das ist das schlimmste Stück bisher: ein enger, schmaler Waldpfad in Richtung zum Teufelsfelsen. Wir machen das nur wegen der Aussicht. Hoffentlich rentiert sich das auch.

Wo genau dieser Teufelsfelsen sein soll, weiß ich lange nicht. Oben finden wir die Drachenflieger-Sprungschanze, beängstigend-beeindruckend. Wie kann man nur mit Anlauf ins Nichts springen? Aber die Aussicht ist tatsächlich gigantisch und schnell ist man nach der ganzen Anstrengung wieder versöhnt.

Danach geht es zur Schneiderkapelle und hinab nach Riedenburg. Im Cafe am Marktplatz gibt es für uns viel zu sehen. Diese Masse an Autos, so viele Menschen - das sind wir gar nicht mehr gewohnt.

 

Tagesetappe: Riedenburg – Kelheim

Los geht der Wanderweg in Riedenburg direkt vor unserer Haustür. Direkt hinter den Häusern geht es in den Wald hinein. Die uns überholenden Wanderer warnen uns von vorne, weil ein Rehkitz am Weg liegt und wir aufpassen sollen. So nah an Bambi war ich noch nie.

Das Highlight des heutigen Tages – ob positiv oder negativ sei dahingestellt – ist die Klamm. Auf Warnschildern wurde es schon sehr dramatisch gemacht und dann ist es tatsächlich fast schon ein Kletterfelsen: steil, hohe Stufen und enge Durchgänge, schmale Brücken und echt anstrengend für Bürohocker.

Nachdem wir diese Herausforderung gemeistert haben machen wir Rast mit Blick auf die Burg Prunn. Genau diese Route ignorieren wir dann aber und laufen am Radweg entlang bis Essing. Es geht über die berühmte geschwungene Holzbrücke und dann sind wir wieder am Altmühltal-Panoramaweg und lassen den Radweg hinter uns. 

Wir schlängeln uns ein bisschen so dahin und kommen schließlich zum Keltenwall, an dessen Ende der Aussichtspunkt nach Kloster Weltenburg sein soll. Der Keltenwall ist ganz schön riesig und zieht sich ewig. Wir bewundern zwar diese Kelten und was die da geleistet haben, aber langsam macht es uns keinen Spaß mehr. Wir wollen ankommen. Endlich sehen wir den Aussichtspunkt, das hat sich doch absolut gelohnt. So von oben herab auf das Etappenziel und aber auch auf den Endpunkt unserer Wanderung zu blicken ist ein ganz besonderer Moment.

Wir steigen noch 400m bergab zur Zille und lassen uns übersetzen zum Kloster Weltenburg.

Dort im Biergarten gibt es ein riesiges Stück Sieger-Streuselkuchen und dann fahren wir als endgültigen Schlusspunkt unserer Wanderung mit dem Schiff nach Kelheim. An Bord gönnen wir uns erst mal ein Sieger-Proseccöchen und genießen den Moment. Geschafft. Angekommen. Altmühltal-Panoramaweg gelaufen. Unverletzt. Sonne. Alles richtig gemacht.

 

Resüme:

Ein bisschen viel Weg und wenig Panorama. Ich habe mir mehr und öfter gute Aussichten erhofft und nicht gedacht, dass so viel Strecke im Wald passiert.

Aber ich hatte auch befürchtet, dass mir mehr Knochen oder Gelenke weh tun und dass ich mehr leiden werde. Es hat sich von Tag zu Tag gewandelt: von Rücken über Knie bis zu Zehe, teilweise hatte ich alles. Das waren wohl die Urvogel-Phasen, ich fühlte mich sehr alt. Im Großen und Ganzen bin ich positiv überrascht, wie gut ich durchgehalten habe. Bergauf war schlimm, aber der Schmerz war nach Kuchen und Dusche immer schnell vergessen.

Mit  meiner Wanderbegleitung hatte ich absolut das gleiche Tempo und die gleiche Wellenlänge, die besonders das ist.

Gerne wieder – maximal Tage und höchstens 15km pro Tag in flachem Gebiet.

Aber der Jakobsweg muss es eher nicht werden.