Ich wollte immer nur Meer. 

(Büsum, Nordsee) 


Anreise:

Bei einer Autofahrt in den Urlaub ist es wichtig, die Anreise in Etappen einzuteilen.

Auf unserer Anreise bedeutet das: wir müssen im Autoatlas 6x umblättern bis wir da sind.

Oder: wir sind bei Autobahn-Auffahrt Nr. 100 auf die Autobahn und in Hamburg ist Ausfahrt 34 erreicht. Wenn man sich an diesen Meilensteinen entlang hangelt, ist die Aussage „nur noch einmal umblättern“ extrem bedeutungsschwer....

Natürlich steigt die Spannung: wie ist die Ferienwohnung, wie ist das Meer?

Die Ferienwohnung ist absolut ausreichend mit neuer Küche und neuem Bad richtig stylisch. Die Schlafzimmer sind mini, aber wer fährt schon zum Schlafen in Urlaub. Und: vom Balkon aus sieht man das Meer, also einen blauen Streifen hinterm Deich. Alles richtig gemacht. Und dann das erste Kaffeetrinken – der Zitronenkuchen ist besonders lecker, weil hiermit offiziell der Urlaub beginnt.

Abends erkunden wir gleich noch den Weg ins Zentrum. Wichtig wird hier in den nächsten Tagen die Vokabel „oberdeichisch“ - hier sieht man das Meer am Besten. An manchen Tagen ist jedoch „unterdeichisch“ echt besser, damit man vom Wind nicht weggepustet wird. Der erste Abend setzt die Zeichen für die nächsten Tage: es gibt Bratkartoffeln, nur die Beilagen werden variieren.

 

Ein Tag in Büsum:

Das Wetter gibt sich durchwachsen, wir wandern in Richtung Zentrum. Ich kann mich nicht satt sehen an den bunten Strandkörben auf dem grünen Rasen. Auch sonntags haben die Büsumer Geschäfte geöffnet und es ist ganz schön viel los. Wir sitzen ein bisschen auf der Treppe mit Blick auf den Museumshafen und gönnen uns dann eine Rundfahrt mit dem „Krabbenexpress“ zur Ortserkundung in Richtung Büsumer Deichhausen. Nett anzusehen, aber Büsum selbst ist doch ein Stück lebendiger.

Nach der Rundfahrt laufen wir auf die Hafen-Halbinsel und kommen bis ans Büsumer „Land's End“. Danach genießen wir das Treiben auf der großen Freitreppe vom Gratis-Strandkorb aus bevor wir uns auf eine Pizza stürzen.

 

Ein Tag in Büsum:

Das Wetter war super gemeldet, es sieht aber nicht so aus. Heute erkunden wir das Gebiet rund um den Hafen. Nach einem schnellen Mittagessen geht es – das Wetter hat sich nochmal besonnen – in den Strandkorb. Einen Nachmittag lang nur lesen und aufs Meer schauen – was für ein Luxus.

Abends laufen wir „oberdeichisch“ in die andere Richtung zum Abendessen und genießen den Sonnenuntergang von der vorgelagerten Watteninsel aus und das ist fast wie die „Sunset Celebration“ auf Key West in Florida. Die Sonne zaubert ein absolutes Highlight-Programm.

 

Ein Tag in Büsum:

Nach den gemeldeten 25° Grad sieht es wieder nicht aus, es ist noch recht kühl. Der Tagesplan sieht heute nur Strandkorb vor, deswegen wird die Badetasche gepackt (es ist ja Sommerurlaub) und dann gilt es, zwei Strandkörbe mit bester Aussicht zu bekommen. Na gut, dritte Reihe ist auch nicht schlecht.

Der Nachmittag besteht aus lesen, schauen, wattwandern und dann, als die Flut reinkommt, gehen wir tatsächlich baden. Wir schwimmen in der Nordsee! Und es ist nicht mal so kalt! Herrlich. Wer das gemacht hat, wer in der Nordsee geschwommen ist, dem kann im Leben nichts schlimmes mehr passieren.

Noch ein Abendspaziergang um die Spitze der Watteninsel und dann ist der möglicherweise wärmste Tag des Urlaubs vorbei.

 

Ein Tag in Büsum:

Gestern war Badewetter, heute nicht. Es stürmt. Es regnet.

Zum Aufwärmen drehen wir eine Runde über die Watteninsel, wo es uns ganz schön rumweht. Und dann erwischt uns der Regen, wir stellen uns in einer Umkleidekabine unter. Es ist eine Umkleidekabine aus Holzlatten, es tropft also von oben. Aber besser als nix wird es schon sein. Die Frau im DLRG-Anzug erklärt uns, das ist noch lange kein Sturm.

Heute ist Zeit für Kultur. Beim Foto-Vortrag „Büsum einst und jetzt“ im Gästezentrum erfahren wir viel über die Geschichte und die Vergangenheit des Ortes.

Anschließend ist perfektes Shopping-Wetter, aber merkwürdigerweise kauf nur ich ein.

Mittags gibt es endlich ein Matjes- / Lachs- / Bismarckbrötchen, lecker.

Nachmittags regnet es uns ins „Museum am Meer“, das mit einem extrem unhöflichen Matrosen als Kassierer in einer alten Fischhalle eher uncharmant untergebracht ist. Der Inhalt und die Ausstellung an sich hätte durchaus mehr Würdigung verdient.

Immerhin, so viel kulturelles Engagement wird belohnt, die Sonne scheint wieder. Es gibt erst mal Kaffee und Kuchen bzw. den einzigen Eisbecher der Woche. Rückwärts schlendern wir am Hafenbecken zurück ins Zentrum und kommen gerade dazu, als die ganzen Fischkutter einlaufen. Und dann, als auch noch ein größeres Frachtschiff einparkt sind wir zufrieden mit dem Fern-Seh-Programm.

 

Ein Tag in Büsum:

Heute ist es windstill und auch laut Wettervorhersage ein perfekter Tag für eine Radtour. Mit hübschen Leihrädern geht es nordwärts in Richtung Stindeck und weiter in Richtung Eidersperrwerk. Wie wir unterwegs erfahren haben gibt es dort leckere Fischbrötchen, das motiviert schon auch ein bisschen.

An der Aussichtsplattform sitzen wir lange und genießen das Treiben und den Fisch, bevor wir die lange Heimfahrt antreten. Jetzt leider gegen den Wind. Jetzt schmerzt der Popo ganz schön, insgesamt um die 40km ist auch eine ganz schöne Leistung für meinen Bürostuhl-Popo....

 

Ein Tag in Büsum:

Mit dem 10-Uhr-Bähnchen geht es in die City. Ein bisschen aufs Meer schauen und ein bisschen Musikhören auf der Museumshafen-Treppe. Dort gibt es ein äußerst leckeres Fischbrötchen, bevor erneut die Strandkorb-Taschi gepackt wird. Diesmal dann schon mit leichter Wermut: heute ist der letzte Tag.

Beim oberdeichischen Rückweg in die Wohnung nimmt jeder Abschied vom Meer, ein trauriger Spaziergang.

 

Abreise:

Heute gehen wir frühstücken, das macht den Abschied feierlicher. Unhöflicherweise scheint die Sonne, wir hätten von Büsum mehr Abschiedsschmerz erwartet. Neidisch schaue ich die Leute an, die Bäckerwaren für den Tag kaufen, der möglicherweise im Strandkorb verbracht wird.

Wir dagegen schwingen uns gegen 9:30 Uhr in unser vollgepacktes Auto in Richtung Autobahn. Pflicht ist wie immer der Stopp am Nord-Ostsee-Kanal, um zu gucken ob ein großes Schiff quert, aber es schippern nur kleine Boote vorbei. Danach müssen wir uns dem Baustellen-Drama auf der Autobahn stellen und kommen kreuzlahm und erschöpft abends daheim an.

Eine schöne, entspannte Woche liegt hinter uns. Ich bin nicht mehr sicher, ob mir tatsächlich Ostsee besser gefällt und bin begeistert von Büsum.

 

Und dann - kurz nach dem Urlaub – spüre ich es schon wieder:

ich habe Meerweh...