Eine Ostsee-Wanderung entlang den Fischländer Stränden. 
 

Anreise Nürnberg – Ribnitz-Damgarten

In diesen Zeiten voller Viren in der Welt ist Reisen schwierig. Bis zum letzten Moment ist unklar, ob das Ziel-Bundesland die risikobehafteten Bayern einreisen lässt (Stichwort „7-tage-Inzidenz“). Als dann auch noch der Zug nicht wie geplant fährt, bin ich bedient. Die Urlaubsvorfreude beginnt also erst nach dem Umsteigen in Hannover. Ab hier läuft alles wieder nach Plan.

Finally, angekommen in Ribnitz. Auf der Suche nach einem Café und warten auf meine Wanderbegleitung. Ich bin wirklich da, ich bin sehr dankbar. Wir trinken ein Käffchen und ich esse ein Eis. Wir kommen an. Danach zum Hotel und durch den Ort zum Hafen, wo wir uns an der Fischbude, die eigentlich ein Schiff ist, einen Sekt und ein Bier holen und den Sonnenuntergang am Hafen genießen. Wir laufen noch ein bisschen Richtung  Damgarten und kehren dann aber recht schnell ein. Der Sonnenuntergang ist traumhaft, das Essen lecker und schön arrangiert. Und es gibt Bratkartoffeln. Also, was will man mehr.

 

1. Tag: Wanderung Ribnitz-Damgarten nach Dierhagen

Unser Tagesauftrag ist von Ribnitz-Damgarten am Boddenufer entlang nach Dierhagen. Wobei der Bodden hier der Ribnitzer See ist. Man muss leider sagen: vor lauter Schilf sieht man das Wasser nicht. Die ganzen Highlight-Villen am Ufer haben es da auch nicht besser. Wie übel ist das denn: du wohnst zwar am Wasser, aber du siehst es nicht.

Wir sind ein bisschen enttäuscht: keine Spur von Wandern an der Ostsee, das könnte mal genauso im Altmühltal sein. So macht uns das keinen Spaß.

Aber dann, durch eine hübsche Allee und wir wissen: hinter den Bäumen das Meer. Ich bin richtig aufgeregt und so gespannt, wie der erste Blick aufs Meer sein wird. Ich habe es so lange nicht gesehen, ich fühle mich wie ein Kind kurz vor der Weihnachts-Bescherung. Dann endlich das Schild zum Strandübergang. Noch eine Kurve. Und noch eine. Und ein Hügel. Und dann endlich - der erste Blick aufs Meer. Ein schüchternes Türkis. Ostsee. Angekommen.

Eine Weile sitzen wir nur und schauen. Ist nicht der Sinn des Lebens sowieso aufs Wasser schauen? Unseren ersten Siegerkuchen (ich wandere ja nur für Kuchen und Bratkartoffeln) gibt’s auf einer Dachterrasse. Natürlich mit Meerblick.

Entlang an traumhaften Ferienhäuschen laufen wir den Dünenweg zu unserem Hotel. Es ist groß, aber schön (manchmal schließt sich das ja aus) und so strandnah. 

Abendessen gibt es einem „urigen“ Restaurant gemäß der Beschreibung auf der Webseite. „Urig“, ja so kann man es auch nennen. Beeindruckt hat uns immerhin der Chef, der nicht bedient, sondern die Gäste bei Laune hält. Und mit Alkohol abfüllt, bis das Essen endlich kommt ("noch 2 Weine, Mädels?"). Das Essen ist okay. Als die Dame von nebenan erzählt, sie sind schon das dritte Mal da, weil es so gut ist, schweigen wir diplomatisch.

Immerhin, draußen stürmt es und wir sitzen warm mit Wein. Und Bratkartoffeln. Läuft also.

 

2. Tag: Von Dierhagen nach Prerow

Wir wachen auf,  die Sonne fehlt. Also ziehen wir ordnungsgemäß mehrere Schichten an und laufen los, am Radweg Richtung Wustrow. Schnell wird die Jacke ausgezogen, es ist zu warm. Was durchaus an unserem strammen Schritt liegen könnte. Ganz schön viele Radfahrer, irgendwann wechseln wir an den Strand und laufen an der Wasserkante entlang. Was für meine Wanderbegleitung, die auf der Landseite läuft, durchaus gefährlich werden kann, da ich sie mehrmals reflexartig fast umrenne, als die Ostsee in meine Richtung überschnappt. 

In Wustrow genehmigen wir uns eine heiße Schokolade an der Seebrücke, Meerblick gehört schon zum Mindeststandard. Wir schlendern zur Kirche und stellen fest, das hier ganz schön viel los, aber nicht viel zu holen ist.

Also auf in Richtung Ahrenshoop auf einem tollen Weg oberhalb des Meeres und der Steilküste. Diesen Ort verbinde ich mit Kunst und Künstlern, Kreativität, kleinen Lädchen und schnuckeligen Cafés. Wir laufen am Strand entlang mit Blick auf die Steilküste. Beeindruckend. Wie überall holt sich das Meer hier Teile von der Küste, man kann nicht ganz entlang laufen und wir müssen irgendwann hoch.

Die ersten Häuser von Ahrenshoop sind charmant und wunderschön. Und dann biegen wir in die Hauptstraße ein und lassen den Charme hinter uns. Wir kommen nicht in die Nebenstraßen, zugegeben. Was wir also sehen, gefällt mir nicht. Hektisch, laut und wenig künstlerisch. Auf der Suche nach einem Café für unseren Tageskuchen landen wir nur in einer Location direkt an der Straße. Danach schnell, schnell zum Bus (der schmerzlich erlebte „Hiddensee-Effekt“: erst trödeln und dann die Hektik, sein Verkehrsmittel noch zu erwischen).

 

Unsere Pension in Prerow ist ganz schön weit weg von Meer. Ansonsten ist es traumhaft und nach anfänglichen Schwierigkeiten (Fuß links bei mir, Hüfte bei meiner Reisebegleitung) haben sich unsere Körper wohl mit dem vielen Laufen abgefunden. Nach Social Media- und Bratkartoffel-Pausen gibt es einen Absacker an der Seebrücke. Eigentlich um einen Blick auf das Meer zu werfen. Aber wenn da schon jemand Cocktails verkauft, warum nicht. Wir genießen den Sonnenuntergang und schauen Richtung Westen, Richtung Darßer Ort. Da gehen wir morgen hin.

 

3. Tag: Prerow und Darßer Ort

Heute ist unser Ruhetag, was man daran merkt, dass wir die spätere Frühstückszeit nehmen konnten. Wir lassen es ruhig angehen und lassen uns vom Bähnchen in Richtung Darßer Ort chauffieren und laufen den Rundwanderweg um die Landspitze herum, durch Wald und Wiesen auf Holzbohlenwegen. Sehr angenehm, sehr gut zu laufen. Das letzte Stück vom Weg führt am Strand entlang. Hier gibt es viele Steine und auch viele  Menschen in gebückter Haltung auf der Suche nach  Bernstein.

Am Leuchtturm angekommen interessiert uns eigentlich nur der Kuchen. Nach einer schönen Pause im Leuchtturm-Cafe und nettem Geplauder mit den Mädels aus Kallmünz eilen wir zum Bähnchen – deja vu. Hiddensee-Effekt.

 

In Prerow innercity breiten wir unser Handtuch am Strand aus. Jeder reckt mal seine Füße ins Wasser und dann lesen wir eine Runde. Danach noch ein Absacker auf der Seebrücke und Sonnenuntergang gucken. Heute hat es Seenebel und man sieht fast keinem Übergang zwischen Himmel und Wasser. Das sieht toll aus, mystisch. Und bedeutet gutes Wetter für morgen - sagt jedenfalls die Bedienung.

 

4. Tag: Von Prerow nach Zingst

Heute wandern wir von Prerow nach Zingst. Natürlich am Strand entlang. Die Alternativroute wäre irgendwo am Prerow Strom entlang, das ist ja fad. Wenn schon, dann Meer. Die größte Strecke ist entlang des FKK-Strandes - so viel Ausblick wollten wir jetzt auch nicht. Der Tag ist heiß, es weht kein Wind, totale Flaute. Die Strecke ist nicht weit, aber an der Wasserkante entlang laufen ist doch recht anstrengend. Irgendwann sehen wir die Seebrücke von Zingst und merken: es ist leichter mit einem Ziel vor Augen. Diese Weisheit merke ich mir fürs Leben.

An der Seebrücke angenommen trinken wir im Kurhaus unseren Sieger-Kaffee. Es ist ganz schön viel los hier (wie schon so oft stelle ich mir die Frage: wie ist das denn hier in der Hauptsaison?). Und außerdem ist sehr aufdringliche Hintergrund-Musik. Ein Hund jault mit, unklar ob aus Begeisterung oder Leid.

Nach einer kurzen Wiederherstellungsphase im Hotel geht es in Richtung Strand. Wir kaufen bei einer erheblich unfreundlichen Dame Bier und Sekt und legen uns an den Strand. Pünktlich um halb 6 wird es erstaunlicherweise immer kühler und wir müssen uns über unser Abendessen Gedanken machen.

 

5. Tag: Von Zingst nach Barth

Vom Meer mussten wir uns schon verabschieden, unser Ziel heute ist Barth am Bodden, wir wandern inländisch.

Erste Etappe ist die Meiningenbrücke. Sieht ewig weit aus, geht aber. Unterwegs plaudern wir noch ein bisschen mit dem Regisseur, der einen Film dreht für ein Umweltfestival. Leider kein Kinofilm mit bekannten Highlight-Stars. Aber gut.

An der Brücke ist ganz schön viel Fahrrad-Verkehr und die sind alle ganz schön hektisch. Haben Radler heutzutage keine Zeit mehr? Wir schlängeln uns durch und folgen den Schildern in Richtung Radweg nach Barth. Ganz schön fad. Gut, dass wir uns von einem Eis-Werbeschild ablenken lassen: Sanddorneis hört sich echt gut an. Wir laufen also einen Umweg und kehren im Eiscafe ein. Ich hatte vorher kaltes Cola visualisiert und genieße die Lieferung.

Danach folgen wir wieder brav den Schildern in Richtung Barth. Der Weg am Radweg entlang könnte auch irgendwo in Deutschland sein. Das gefällt mir natürlich nicht so gut wie am Strand. Das Einlaufen in Barth zieht sich ewig entlang dieser einen langen Straße. Es gibt hier viele schöne Häuser zum gucken, aber auch echt viele hässliche. Der letzte KM unserer Wanderung zieht sich ganz schön und das in praller Sonne. Endlich gelangen wir zum Hafen.

 

Unser Hotel wirkt von außen ganz nett, erst mal gibt es aber ein Abschlussfoto und einen Siegerkuchen. Danach suchen wir in Barth den Charme des Städtchens. Finden wir leider aber nicht.

Am Hafen genehmigen wir uns einen Cocktail im ganz schön frischen Wind.

 

6. Tag: Mit dem Zug von Barth nach Stralsund

Unsere Pension ist am Hafen und man kann die Rügenbrücke sehen. Ich wusste nicht, dass Rügen so nah ist. Das Meer ist heute wieder ganz schön stürmisch und aufgewühlt. So hätte ich mir das unterwegs gewünscht. Stralsund hat eine hübsche Altstadt und nette Häuser. Aber viel zu holen ist hier auch nicht, so wie es aussieht.

 

Na dann. Schön war's. Tschüss, Wasser. Tschüss, Mecklenburg.