Geh ohne Jacke wenn es warm ist.
 

Früher in meinem Leben, als ich noch jünger war, hatte ich Angst rauszugehen ohne Jacke.

Auch bei sommerlichsten 30 Grad hatte ich eine Jacke dabei – es könnte ja später kälter werden und ich könnte frieren. Oder es könnte regnen und ich nass werden.

Zu bemerken an dieser Stelle: gefroren habe ich nie und nass wurde ich wenn dann trotz Jacke.

Dennoch: ohne Jacke außer Haus fühlte sich für mich an wie ohne Schlüssel oder ohne Geldbeutel auszugehen.


Ich brauche  diesen Schutz; die Sicherheit, der Welt und den Umständen nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Ich wollte alles im Griff haben und nicht überrascht werden.
Vor ein paar Wochen dann ist es mir passiert: ich dachte wirklich, es ist warm. Ich hatte zu viele Sachen dabei und in meiner Tasche war kein Platz mehr für eine Jacke. Ich wollte nicht lange weg. Um nicht noch mehr schleppen zu müssen hab ich es getan: ich bin an einem warmen Sommernachmittag ohne Jacke in die Stadt.


Und es ist passiert: die Sonne war weg und es war kalt.Ich habe gefroren.

Es ist genau das eingetreten, wovor ich immer panisch Angst hatte. Der Super-GAU. Ich habe das erlebt, was ich immer zu vermeiden versucht hatte.
Und: Es. War. Nicht. Schlimm.


Ja, mir war kalt, aber es war nicht lebensbedrohlich. Ich war nicht in Gefahr und meine Sicherheit war nicht gefährdet. Die Welt dreht sich weiter. Das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte, ist passiert. Und es war ok. Ich konnte damit leben.
Seitdem fühle ich mich frei. Ohne Jacke außer Haus ist normal geworden. Sicherheit? Eine Jacke gibt keine Sicherheit.
Lebe wild und gefährlich!