New York in Nürnberg.
 

Einmal war ich in New York. Ich war alleine dort und hab gemacht worauf ich gerade Lust habe, wann ich dazu gerade Lust hatte.
Ich bin durch die Stadt spaziert und hab nur geschaut.
Ich hab im Park gefrühstückt.
Ich war einen Nachmittag lang auf der Suche nach einer Location aus einem meiner Lieblingsfilme (Riverside Park, „E-Mail für dich“) .
Ich hab fremden Leuten beim Leben zugeschaut (dem Mann, der seine  Harley auf einem Segelboot geparkt hat).
Ich hab auf ein Konzert hin gefiebert und bin an einem Café vorbeigekommen, wo gerade ein Lied dieses Sängers kam. 
Ich hab in einem Park der Vergangenheit nachgespürt (High Line Park).
Ich hab eine Woche lang Sandwiches probiert (mein Favorit bis heute: grilled chicken sandwich).

Ich war alleine essen in Restaurants.
Ich war 6 Stunden lang auf einer Aussichtsplattform über der Stadt und hab den Sonnenuntergang erlebt.

 

Rückblickend betrachtet kann ich sagen: ich war (Vergangenheitsform von „ich bin“).
Ich war eine Woche lang präsent; war bei mir; hab nur getan, wonach mir ist; ohne Verpflichtungen und Gedanken an „man sollte, man müsste“. Also: ich müsste.
Warum kann ich in meinen Alltag nicht ein bisschen mehr von diesem „ich bin“ integrieren -  warum lebe ich zu viel nach „ich müsste“? Ich müsste putzen, ich müsste mich melden, ich müsste verfügbar sein, ich müsste mich nach anderen richten, ich müsste mich kümmern?
Bedeutet Routine zu Hause „ich müsste“? Gibt e auch Alltag mit „ich bin“?
Wie schaffe ich es, ein bisschen von meinem New York nach Nürnberg zu holen?
Ein Wochenende lang werde ich experimentieren mit „ich bin“ in Nürnberg.

Und ich werde sehen, wo ich ankomme.